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Was tun, wenn der Anzug am Ende ist?

01.12.2017 Selbst ein sorgsam gepflegter und aus hochwertigen Materialien verarbeiteter Anzug ist irgendwann nicht mehr tragbar und gelangt an sein Lebensende. Da in jedem Anzug, der aus unserer Produktion kommt, viel Arbeit, Liebe und natürlich auch eine interessante Geschichte steckt, möchten wir nicht, dass der Anzug einfach so auf dem Müll landet. Deswegen beschäftigen wir uns mit dem sogenannten Lifecycle-Management, insbesondere mit dem Ende des Lebenszyklus eines Produkts. Dabei betrachten wir verschiedene End-of-life-Strategien (EoL), um sicherzustellen, dass von unseren Produkten möglichst viel im Wertstoffkreislauf erhalten bleibt und die Umwelt dementsprechend wenig belastet wird.

Folgende Strategien werden momentan bei uns im Hause umgesetzt:

1. Reduce

Grundsätzlich können wir die Obsoleszenz unserer Produkte durch die Nutzung bester Stoffqualität und handwerklichem Können verschieben. Daher haben unsere Produkte immer eine sehr lange Lebensdauer, und reduzieren damit den Verbrauch von Ressourcen. Um die Lebenszeit unserer Maßkleidung noch etwas zu verlängern, bieten wir all unseren Kunden die Anzug-Inspektion an. Damit Sie wieder glänzen können, reinigen wir Ihren Anzug professionell, nähen Knöpfe bei Bedarf wieder an, überprüfen die Nähte und lassen ihn fachmännisch aufbügeln. Sollte sich ihre Konfektionsgröße ändern, können wir - anders als bei einem Produkt von der Stange - eine Maßanpassung (innerhalb eines bestimmten Rahmens) vornehmen und so eine vorzeitige Entsorgung des Anzugs verhindern.

„End-of-Life“ Strategien:

In der Textilbranche können vier verschiedene EoL-Strategien angewandt werden: Reduce, Reuse, Recycling und Verbrennung/Deponierung . Dabei werden diese Strategien nach ihrer ökologischen Wertigkeit sortiert. Angefangen von der grundsätzlichen Reduzierung des Materialeinsatzes bzw. der Verlängerung des Produktlebenszyklus über die aktive Reduzierung des Mülls bspw. durch Wiederverwendung kann ein komplett neuer Lebenszyklus gestartet werden. Sollte das nicht mehr möglich sein, können Teile des Produkts recycelt und zu einem vollständig neuen Produkt verarbeitet werden. Erst im letzten Schritt, wenn keine andere Möglichkeit mehr gegeben ist, sollte ein Produkt der Verbrennung oder einer Deponie zugeführt werden.

2. Reuse

Mehrfach haben wir bereits zu unserer „Alt gegen Neu“-Aktion aufgerufen, bei der Kunden durch die Rückgabe ihres alten, über einen Rabatt für den Kauf eines neuen Anzugs freuen konnten. Unseren Partnern, dem Bayerischen Roten Kreuz in Obernburg und Großwallstadt, können wir so größtenteils noch sehr gut erhaltene Hemden, Blusen, Anzüge und Kostüme für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen. Auch in diesem Oktober schickten wir wieder zwei gut gefüllte Transporter in Richtung Großwallstadt. Das Foto zeigt die Geschäftsführerin des Roten Kreuz Großwallstadt, Frau Spilger, und unseren Auszubildenden Alexander Schnell bei der (symbolischen) Übergabe der Spende.

3. Recycle

Technologisch gesehen, ist es möglich unsere Anzüge zu recyceln und einer anderen Verwendung zuzuführen (d.h. im "Fleischwolf" zerreißen und neue Garne daraus spinnen). Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht ist es aber wenig sinnvoll, da das Verfahren teuer ist und fast genauso viel CO2 entsteht wie wenn man die Kleidung neu produziert (Quelle: FairWertung E.V.). Dazu kommt, dass das Textil-Recyling immer ein Downgrading ist, d.h. die Qualität der Stoffe bzw. Materialien nimmt bei jedem Recyclingschritt ab. Die ökologischste Variante ist es dementsprechend, unsere Anzüge so lange wie möglich zu tragen und bei Bedarf zu reparieren. Sollte Ihr Anzug dann irgendwann am Ende sein, geben Sie ihn bitte zu den Altkleidern. Sollte er wirklich nicht mehr zu reparieren sein, wird er anderweitig verwendet. Nur ein geringer Teil der Altkleider wird verbrannt. Wegen des aufwändigen Recyclingprozesses von Textilien fahren wir bei KUHN "nur" eine Reduce- und Reuse-Strategie.